Datenrettung auf der Festplatte

Digitaler Stoff zur Muskelentspannung

Die Wahl des richtigen Datenrettungs-Tools. Eine Entscheidungshilfe. 

Festplatte Reparatur

Eine gute Datenrettungssoftware kann unter Umständen sogar Leben retten. So weit will dieser Artikel jedoch gar nicht gehen. Es reicht schon, wenn das Recovery Tool jemandes Hintern rettet. 

Genau aus diesem Grund ist Datenwiederherstellung zu einem wichtigen Thema unserer Zeit geworden. Es gibt hunderte Datenrettungs-, File Recovery und Disaster Recovery Tools, und alle versprechen sie dasselbe: die Wiederherstellung von verlorengegangenen Daten.  

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Tipp der Redaktion:

Tools zur Datenrettung sind nur dann sinnvoll, wenn der Fehler in der Software zu finden ist. Hardwareprobleme behebt ein Recovery Tool nicht. 

Überall dort, wo es um komplexe Prozesse geht, tut man sich selbst einen großen Gefallen, sich an die Regel “Je einfacher desto besser” zu halten. Beim Vergleich von Software verläuft man sich schnell einmal in Leistungszahlen, und vergisst dabei auf das Wesentliche. Die Lösung liegt nämlich oft viel näher als man denkt.

„Mache die Dinge so einfach wie möglich – aber nicht einfacher.“

Albert Einstein

Bevor man sich als Verzweifelter mit schlechter Laune, schmerzverzerrtem Gesicht und Schweißtropfen auf der Stirn daran macht, nach einer Datenpanne alle Einzelheiten unterschiedlicher Programme gegenüberzustellen, könnte man sich auch auf den Rat von Albert Einstein besinnen, und sich daran erinnern, wie oft es gerade die simpelsten Wege sind, die zur Lösung eines Problems führen.

Recovery Tool auswählen: Drei Antworten definieren die Blickrichtung 

Es gibt nur drei Fragen, die man sich vor dem Kauf einer guten Software zur Datenrettung stellen muss.

Nummer Eins: Für welches Betriebssystem (z.B.: Windows, Mac, Linux, etc.) wird die Datenrettungssoftware benötigt?
Schon hier trennt sich die grobe Spreu vom Weizen.

Nummer Zwei: Welches Dateiformat soll wiederhergestellt werden?
Fotografinnen und Fotografen legen ihren Fokus besser auf eine Software, die dezidiert Formate wie JPG, PNG, GIF, PSD, BMP, DCR, TIFF/TIF, SR2, CR2, CRW, NEF, MRW, ORF, ERF, RAF, WMF, DNG oder RAW wiederherstellen kann, Filmemacherinnen und Filmemacher richten ihr Augenmerk auf Wiederherstellungstools, die mit Formaten wie MOV, MP4, WMV, MPG, AVI, ASF, M4V, 3GP, 3G2, FLV, RM/RMVB oder SWF zurechtkommen.

Nummer Drei: Wie hoch darf der Datenverlust sein, um ihn noch verkraften zu können?
Hier spielt auch eine Rolle, wie sensibel die Daten sind, die es zu retten gilt. Nach diesem Kriterium entscheidet man sich für ein Tool, das die benötigte Ausfallsicherheit und den Datenschutz garantiert, oder aber gleich für die Kontaktaufnahme mit einem IT-Experten, der etwas von Datenrettung versteht.  

Diese drei einfachen Fragen reichen aus, um sich eine Meinung darüber zu bilden, ob schon einfachste Freeware die Lösung ist, ob man sich um eine komplexe Closed Source Software kümmern sollte oder ob man besser den Profi ranlässt.

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Tipp der Redaktion:

In den meisten Fällen reicht ein einfaches Universalprogramm zur Datenwiederherstellung aus. 

Closed Source Software

… ist kostenpflichtige Software. Vergleichbar ist Closed Source Software mit lizenzpflichtigen Bildern: Das Lizenzmodell bestimmt den Nutzungsumfang. Anwendungen dieser Art bieten eine hohe Betriebssicherheit und eignen sich daher sowohl für Unternehmen als auch für Private und Freelancer. Der Anbieter haftet für Ausfälle, Datenschutz und Datensicherheit, er übernimmt die Wartung und die Weiterentwicklung der Software. Closed Source Software wird auch Proprietäre Software genannt.

Freeware

… ist kostenlose Software. Vergleichbar ist Freeware mit BY-ND Creative Common Bildern, die zwar kostenlos verwendet, aber nicht verändert werden dürfen. Im Gegensatz zu Open Source Software ist der Quellcode von Freeware nicht frei, und somit auch nicht an individuelle Prozesse anpassbar. Freeware ist oft in ihrer Funktion begrenzt - erst die kostenpflichtigen Upgrades bieten einen erweiterten Funktionsumfang. Der Download von Freeware sollte nur von sicheren Quellen geschehen. Die Begriffe Freeware und Open Source Software bedeuten nicht dasselbe.

Open Source Software

… ist kostenlose und modifizierbare Software. Vergleichbar ist OSS mit Bildern, die mit CC0 lizenziert sind: Entwicklern ist es erlaubt, den Quellcode zu verändern und zu individualisieren. Die Nutzung ist unbegrenzt und für alle frei zugänglich. OSS ist interessant für Programmiererinnen und Programmierer, die in der Lage sind, mit Quellcodes zu arbeiten, eine eigene Sicherheitsinfrastruktur zu schaffen und Ausfälle selbst zu beheben. Der Anbieter von Open Source Software übernimmt keine Haftung für Datensicherheit und Funktionsfähigkeit, weshalb die Nutzung für Laien nicht anzuraten ist. Die Begriffe Open Source Software und Freeware bedeuten nicht dasselbe.

Vorsorgen statt Sorgen: Regelmäßige Backups durchführen!

All die Unannehmlichkeiten, die ein Datenverlust verursacht, und die Zeit, die für die Suche nach der richtigen Software und der Auseinandersetzung mit dem Programm verlorengeht, könnte man sich auch sparen. Das Zauberwort für gesegnete Feierabende und erholsame Wochenenden für alle, deren Werkzeug der Computer ist, heißt: Backup. In vielen Fällen reichen sogar schon Sicherungskopien aus, um sich das Leben im digitalen Zeitalter zu erleichtern.

Aller Informationsangebote und Warnungen zum Trotz geben sich Private, aber auch Freelancer noch immer gerne dem Gefühl der vermeintlichen Sicherheit hin. Dabei sind es doch gerade sie, die bei einem Datenverlust den größten finanziellen Schaden erleiden.

Eine weitere Möglichkeit seine Daten ausfallsicher zu archivieren ist ein RAID System. Für Freelancer ist diese Speichertechnologie dann sinnvoll, wenn sie zum Beispiel als eine Art “großes internes Datenarchiv” dienen soll. Ebenso kann ein RAID System sinnvoll sein, wenn es darum geht, täglich verändernde Daten einfach und langfristig sicher zu speichern und um die Geschwindigkeit beim Abrufen großer Datenmengen zu erhöhen. Private, die sich ein RAID System zulegen, sind oft unter Musik- und Filmliebhabern zu finden. Sie nutzen diese Technologie dafür, um ihre Multimediadateien langfristig in einem “Datengrab” zu archivieren. Dennoch: Ein RAID System ist kein Ersatz für ein regelmäßiges Backup! Dazu aber in einem anderen Artikel mehr.

Datenrettung: Zwei simple Anwendungen mit großem Funktionsumfang

Uneingeschränkt empfehlenswert für Windows-Nutzer ist die kostenlose Windows File Recovery Software. Mac-Nutzer machen sich vor dem Download eines möglicherweise nutzlosen Tools zur Datenrettung besser mit dem integrierten macOS Wiederherstellungssystem vertraut.

Windows File Recovery

Ein falscher Klick - und schon ist es geschehen: Man hat versehentlich den Windows-Papierkorb gelöscht, und bemerkt in derselben Sekunde, dass dies ein Riesenfehler war. Ist der Inhalt einmal weg, lassen sich die Daten mit bordinternen Mitteln nicht wiederherstellen. In diesem Fall ist das kostenlose Kommandozeilentool Windows File Recovery (WinFR) Gold wert. Das Programm kann über den Microsoft Store kostenlos heruntergeladen werden und stellt gelöschte Daten auf internen Festplatten, aber auch auf USB-Sticks oder Speicherkarten wieder her, indem es die im Datenverzeichnis gelöschten, aber noch immer auf der Festplatte befindlichen Daten aufspürt und rekonstruiert. Diese Art der Datenwiederherstellung gelingt immer dann, wenn sie kurz nach dem Vorfall angewandt wird, denn Daten, die aus dem Verzeichnis gelöscht wurden, befinden sich nur noch so lange auf der Festplatte, bis sie von anderen Daten überschrieben werden.

Kleiner technischer Exkurs: Abgrenzung interne und externe Festplatte für Hungrige

Die wohl einfachste Erklärung der Welt ist der Vergleich mit einem Kühlschrank: Es gibt Einbaukühlschränke und es gibt Standgeräte. Beide Geräte können exakt dieselben Eigenschaften und Leistungsmerkmale besitzen. Der einzige Unterschied ist die äußere Hülle, das Gehäuse, das dem Kühlschrank einerseits seine äußere Erscheinung verleiht und ihn andererseits robust und standfähig macht. Ebenso verhält es sich auch mit einer Festplatte. Während die interne Festplatte im Inneren des Computers verbaut ist, besitzt die externe Festplatte ein schlag- und erschütterungsfestes Gehäuse, welches sich einfach transportieren lässt.

Der Nachteil dieses Programms zur Datenrettung ist das Fehlen einer grafischen Benutzeroberfläche. Für Endanwenderinnen und Endanwender kann es gelegentlich schwierig sein, sich mit der Steuerung des Programms über Kommandozeilenbefehle anzufreunden. Dennoch: WinFR ist uneingeschränkt empfehlenswert. Die wichtigsten Befehle können online auf der offiziellen Microsoft Service Seite nachgelesen werden.

macOS Wiederherstellung

Das im Mac integrierte Wiederherstellungssystem macOS stellt Daten auf der internen Festplatte wieder her. Zu finden ist das Tool im Finder auf der internen Festplatte unter “Programme” > “Dienstprogramme” > “Festplattendienstprogramm”.

Mit diesem Programm können USB-Sticks, Speicherkarten und sogar RAID Systeme organisiert, Laufwerke gewartet oder repariert und im Zuge dessen Dateien wiederhergestellt werden.

Heißt: Anders als bei Windows File Recovery lassen sich mit dem Festplattendienstprogramm keine unabsichtlich gelöschten Daten aus dem Papierkorb wiederherstellen. Eine Datenrekonstruktion funktioniert mit diesem Programm nur dann, wenn es sich um den Verlust aufgrund eines Defekts der Festplatte handelt. 

Bildquelle: Claudia Felbermayer

Das Mac-Dienstproramm scannt nach Fehlern im Dateisystem und behebt diese.

Zudem ist es eine geeignete Methode, um die auf dem Datenträger gespeicherten Daten vor dem Verkauf des Computers zu löschen.

Wer sich schon einmal gezwungenermaßen mit dem Festplattendienstprogramm auseinandersetzen muss, kann sich auch gleich mit den Sicherheitseinstellungen vertraut machen, die in dieser App vorgenommen werden können. Beispielsweise lassen sich darüber Speichermedien verschlüsseln.


Zur Wiederherstellung von aus dem Papierkorb gelöschter Daten ist die Time Machine die Anwendung der Wahl. Dazu, und zur Einschätzung unterschiedlicher, für Mac oder Windows geeigneter Recovery-Tools jedoch mehr in einem anderen Artikel. 


Bildquelle: GNyjCePVRs8 © benjamin lehman @ unsplash

VG WORT
Über die/den Autor/in: Claudia

Claudia begann ihren beruflichen Werdegang als technische Redakteurin mit Fokus auf Verdichter und Kompressoren. Als junge Erwachsene wollte sie ihren Horizont noch in anderen spannenden Bereichen erweitern. Nach einem Ausflug in behördlichen Wirkungskreisen begann sie, Unternehmen redaktionell bei der Planung und Umsetzung zu unterstützen. Mit den Jahren bildeten sich zwei Interessenkreise heraus: Sprache im Allgemeinen (und Schreiben als bevorzugtes Ausdrucksmittel) sowie die Themen Sicherheit und Technik. Claudia ließ sich, gestützt vom Bundesverband professioneller Werbetexter Deutschland e.V., als professionelle Werbetexterin zertifizieren. Dadurch haben sich ihre Kompetenzen um den Bereich Marketing erweitert. Heute leitet Claudia ein Team professioneller Redakteure, die ihre Arbeit durch deren Schwerpunkte nochmals um ein Vielfaches ergänzen.

Claudia